Die Stimme der schweigenden Mehrheit

Der Arabische Frühling, ein echter Aufstand des Volkes gegen jahrzehntelange Korruption und Unterdrückung, verdankte nicht zuletzt seine überraschend schnelle Verbreitung dem Einfluss des katarischen Senders Al Jazeera, meint der Medienwissenschaftler Khaled Hroub.

Karikatur Latuffs aus dem Jahr 2011: Mubarak zensiert Al-Jazeera im Arabischen Frühling; Foto: Latuff/wikimedia

Karikatur Latuffs aus dem Jahr 2011: Mubarak zensiert Al-Jazeera im Arabischen Frühling; Foto: Latuff/wikimedia

Im Nahen Osten macht in diesen Tagen ein Witz die Runde: Drei der ehemaligen ägyptischen Präsidenten, Gamal Abdel Nasser, Anwar el-Sadat und Hosni Mubarak, begegnen sich in der Hölle und fragen sich gegenseitig nach ihrer Todesursache. Nasser sagt “Gift”, Sadat antwortet “Attentat” und Mubarak “Al Jazeera”.

Al Jazeeras Live-Übertragungen der Entwicklungen inner- und außerhalb der arabischen Welt haben die Grenzen der Information gesprengt. Der Sender wurde zu einer Bühne für politische und religiöse Oppositionsgruppen der arabischen Länder. Er lässt Vertreter Israels zu Wort kommen und setzt die neuesten Übertragungstechniken ein. Kurz gesagt, hat er sich zu einer globalen Marke und zu einem Vorbild für andere arabische Medien entwickelt.

Freund oder Feind?

Erfolg führt zu Selbstvertrauen, zieht aber auch Gegner an. Darunter sind die radikalen islamischen Fundamentalisten und amerikanische sowie israelische Geheimdienste. Und zwischen diesen beiden Extremen findet eine hitzige Debatte darüber statt, ob Al Jazeera Freund oder Feind ist.

Für Al Thani ist “Al Jazeera” ein unverzichtbarer Bestandteil der “Marke” des Landes und seiner außenpolitischen Ambitionen, schreibt Khaled Hroub. Liberalen, die den Sender als Leuchtfeuer des Friedens und Fortschritts in der arabischen Welt willkommen heißen, stehen andere gegenüber, die ihm Islamismus und religiöse Radikalisierung vorwerfen. Islamisten, denen er als Bühne für ihre Ansichten dient, müssen sich damit abfinden, dass er auch Israelis zu Wort kommen lässt. Al Jazeera-Journalisten sind weithin bekannt, werden aber auch öfter behindert, gefangen genommen und umgebracht als ihre Kollegen bei anderen Nachrichtenorganen.

Al Jazeera ist kein Werkzeug der CIA, Israels oder der Al Qaida. Statt dessen ist der Sender das raffinierte Sprachrohr des Staates Katar und seines ehrgeizigen Emirs, Hamad Al Thani. Ohne die Unterstützung Katars wäre die Erfolgsgeschichte von Al Jazeera nicht möglich gewesen. Für Al Thani ist Al Jazeera ein unverzichtbarer Bestandteil der “Marke” des Landes und seiner außenpolitischen Ambitionen.

Freie Hand für Al Jazeera

“In ‘Al Jazeeras’ Übertragungen waren die arabischen Massen zu sehen, wie sie ihre Forderungen an die Welt stellten. Die sich weitgehend im Untergrund bewegenden Revolutionäre, die von den lokalen Medien ignoriert wurden, fanden über den katarischen Sender die Möglichkeit, ihr eigenes Volk zu erreichen und zu mobilisieren”, so Hroub.

Nachdem Al Jazeera von Katars politischer Führung freie Hand zur Unterstützung der arabischen Revolutionen erhalten hatte, berichtete der Sender live von den Ereignissen in Tunesien und Ägypten und bezog dabei soziale Medien mit ein, auf die die örtlichen Sicherheitsdienste keinen Zugriff hatten. In seinen Übertragungen waren die arabischen Massen zu sehen, wie sie ihre Forderungen an die Welt stellten.

Unterstützung der Volksaufstände

Der arabische Frühling verdankte also seine überraschend schnelle Verbreitung dem Einfluss von Al Jazeera, der Stimme der schweigenden Mehrheit des Nahen Ostens. Was Katar selbst betrifft, unterstützte Al Thani alle arabischen Revolutionen auf vielfältige Weise, außer derjenigen in Bahrain, wo die Saudis und vor allem die US-Amerikaner einen strikten Riegel vorschoben.

Den vollständigen Artikel gibt’s hier.

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