“Der Imam drillte mich, bis ich ein Islamist war”

Beeindruckender Artikel von WeltOnline:

Ahmad Mansour ist so etwas wie der Anti-Bushido. Der israelische Palästinenser wurde einst von einem Imam indoktriniert. Heute hilft er muslimischen Jugendlichen in Berlin, sich davor zu schützen.

Von Andrea Seibel

Ahmad Mansour sagt von sich, er sei ein Optimist. Schon das macht ihn im Meer der Pessimisten zum interessanten Gesprächspartner. Sein Leben ist reich an Erfahrungen, unter anderem arbeitete er in einer von Deutschen finanzierten israelischen Klinik als Therapeut zur Behandlung von Bulimie bei Jugendlichen in ganz Nahost. In allem, was er tut, ist er der Antipode zu bestehenden Vorurteilen und eine vertrauensschaffende Person mit Herz und Verstand. Ein Wort, das Mansour gerne abschaffen würde, wäre “Migrationshintergrund”. Ein Idealist ist der Anti-Bushido nämlich auch.

Die Welt: Herr Mansour, Sie sind ein palästinensischer Israeli oder ein israelischer Palästinenser. Sie sind jedenfalls aufgewachsen in einem arabischen Dorf nahe Tel Aviv. So etwas kennt der durchschnittliche Deutsche nicht.

Ahmad Mansour: Ja, die meisten hier in Deutschland wissen nicht, dass in Israel mehr als eine Million Araber meistens friedlich mit jüdischen Israelis zusammenleben. Diese arabische Bevölkerung gehört seit 1948 zu Israel, sie ist ein Teil des Landes. Die meisten Araber leben im Norden Israels. In Städten wie Haifa und Jaffa leben Araber und Juden Tür an Tür. Ich bin jedoch in einem kleinen Dorf aufgewachsen, das zu 100 Prozent arabisch ist. Meine Großeltern waren Bauern, denen ich als Kind manchmal half. Mein Vater ist ein einfacher Arbeiter an einer Tankstelle. Meine Mutter ist Hausfrau.

Die Welt: Ihre Eltern waren nicht religiös, sagen Sie.

Mansour: Als Kind habe ich sie überhaupt nicht religiös erlebt. Heute sind meine Eltern wie viele. Sie beten, sie waren in Mekka und fasten im Ramadan. Ich glaube, das ist ein Teil der Entwicklung bei vielen Muslimen, eigentlich aller Menschen. Mit dem Alter, besonders mit der Angst vor dem Älterwerden und dem Tod, werden sie religiöser.

Die Welt: Und doch gelang es einem Imam, Sie anzusprechen. Glauben Sie, dass er bewusst schüchterne Jungs angesprochen hat oder Außenseiter?

Mansour: Er hat viele Jugendliche angesprochen, um sie in seine Koranschule zu locken. Auch bei mir hat er einen Punkt getroffen: Ich wollte dazugehören, Anerkennung bekommen. Ich war sehr gut in der Schule. Man sagte, ich sei begabt. Und das spielte bei dem Imam eine große Rolle. Er wollte Jugendliche, die was im Kopf haben, die missionieren können. Die sind gefährlicher.

Die Welt: Sie haben von sich gesagt: “Ich wurde Islamist.” Was hat der Imam genau mit Ihnen gemacht?

Mansour: Alles hat sehr harmlos angefangen, zum Beispiel mit Grammatikübungen. Die Sprache des Koran ist Hocharabisch, das kannte ich im Alltag nicht und fand es faszinierend. Außerdem hatte es auch noch den positiven Nebeneffekt, dass ich im Arabischunterricht in der Schule besser wurde. Und so ging ich gerne hin, und seine Methode wirkte still und leise. Jede Woche erfuhr ich irgendwie einen Satz, der andere herabsetzte und mich als Koranschüler über sie erhob. Das steigt in den Kopf.

Die Welt: Was ist Islamismus für Sie?

Mansour: Hass. Hass gegenüber Muslimen, die den Islam nicht wertschätzen, gegen Frauen, die kein Kopftuch tragen, gegen Europäer, Amerikaner, Andersdenkende. Das war wie in jeder Sekte, man wurde zugeschüttet mit diesen Phrasen und Ressentiments, bis man sie glaubte. Irgendwann wollte ich selber missionieren, wollte andere aus ihrem vermeintlich elenden Leben retten. Man konnte nicht mehr mit mir diskutieren. Ich war überzeugt, dass jeder sich fügen und mit uns gehen müsse.

Den vollständigen Artikel gibt es hier.

Advertisements
This entry was posted in Islam, Israel, Naher Osten/ Middle East and tagged , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s